Freitag 15. Dezember 2017
Anita Nussmüller, Eltern-Kind Gruppe

Was sind Eltern-Kind Gruppen?

 

Eltern-Kind-Gruppen sind regelmäßige Treffen von annähernd gleichaltrigen (zumeist 0 bis 4-jährigen) Kindern, immer in Begleitung ihrer Eltern, Großeltern, oder anderer fixer Bezugspersonen. Meist finden diese Treffen wöchentlich in Pfarren, Gemeindeeinrichtungen und Eltern-Kind Zentren statt. Sie richten sich an Familien einer Wohnregion und bieten auch neu Zugezogenen einen ersten Anknüpfungspunkt zu Menschen in einer ähnlichen Familienphase.

 

Nach einer intensiven Familienphase ist der Besuch der Eltern-Kind Gruppe für Eltern oft die erste Erfahrung mit einem institutionellen Angebot. Für die Kinder sind es die ersten Schritte hinein in eine Gruppe, wo sie sich aber auch jederzeit an die vertraute Bezugsperson rückbinden können.

 

Die Treffen in der Gruppe folgen einer wiederkehrenden Struktur, es gibt fixe Rituale für die Begrüßung, eine gemeinsame Jause und den Abschluss. Dazwischen gibt es Angebote an Fingerspielen, Kniereitern, Liedern,  viel Bewegung, Interessantes zum Erforschen und Experimentieren, zum freien Spiel und immer auch Gelegenheit für die Eltern, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

 

In der Eltern-Kind Gruppe findet Sprachförderung von Anfang an statt. Angeleitet von einer ausgebildeten Eltern-Kind Gruppenleiterin erleben hier die Erwachsenen gemeinsam mit den Kindern, wie wichtig Sprache für die Eltern-Kind Beziehung ist und wie ihre Entwicklung im Alltag ohne Druck und Stress spielend und mit Spaß gefördert werden kann.

 

Im Fall von Mehrsprachigkeit (z.B. im Fall von Familien mit Migrationshintergrund) ist es wichtig, die Sprachentwicklung sowohl in der Erstsprache, als auch der Zweitsprache zu unterstützen und damit auch zu einem interkulturellen Dialog und Austausch auf der Erwachsenenebene beizutragen. Mit dem Angebot der Eltern-Kind-Gruppen werden meist Mütter erreicht, für die diese Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten damit auch Gelegenheit zur Kommunikation in der Zweitsprache in einer vertrauten und geschützten Umgebung bieten.

 

Das gemeinsame Spielen, Bewegen und Singen ist an sich schon ein lustvolles Tun. In der Eltern-Kind Gruppe wird es zum Mittel der Beziehungsgestaltung zwischen Eltern und Kindern. Hier in der Gruppe hat das, was zu Hause vielleicht ständig „nebenbei“ passiert, Vorrang: die spielerische Interaktion mit dem Kind. Hier können Eltern den Alltag zurück lassen und haben Muße und Zeit, sich einmal NUR dem Kind zuzuwenden – eine echte Oase inmitten aller Pflichten. Auf diese Weise erleben Eltern und Kinder ganz besondere Situationen und Momente der Gemeinsamkeit.

 

Für Eltern mehrerer Kinder ist es oft die einzige Möglichkeit, ungeteilte Aufmerksamkeit für ein einzelnes Kind zu haben und sie können  sich hier ganz bewusst Zeit  nehmen und ihre Beziehung zum Kind stärken.

 

Die Leitung einer Eltern-Kind-Gruppe ist eine intensive pädagogische Arbeit mit Familien und obliegt deshalb einer eigens dafür ausgebildeten Fachkraft. Es geht darum, immer mindestens drei Bedürfnislagen im Blick zu haben: die Bedürfnisse der Kinder, die der Erwachsenen und die der Leitenden selbst. Die Leiterin steckt den methodischen Rahmen für die Treffen und entwickelt eine Struktur für den Ablauf.

 

In der Anleitung der Spiele und Lieder geht es für die Leitenden immer auch um eine sensible Begleitung des Miteinanders von Eltern und Kindern. In Momenten der Überforderung sollen die Mütter, Väter und andere Beugspersonen Entlastung spüren. Die Art und Weise, wie sich die Eltern-Kind Gruppenleiterin verhält kann beobachtet werden und eventuell ins eigene Handeln integriert werden.

 

Eltern wollen eine Förderung der Kinder in einer Gleichaltrigengruppe. Zu Hause sind Eltern und Kinder ständig in engem Kontakt, in der Gruppe lockert sich diese intensive Eltern-Kind-Bezogenheit zugunsten eines Gemeinschaftserlebnisses und beide – Eltern und Kinder - können unabhängiger voneinander agieren. Kinder nähern sich Gleichaltrigen an und Eltern suchen sich  Gleichgesinnte Erwachsene. Dabei wissen beide - und v.a haben Kinder die Gewissheit - dass sie sich jederzeit wieder verbinden können.

 

Auch wenn die Treffen nur einmal wöchentlich stattfinden, wirkt das, was in der Eltern-Kind Gruppe passiert stark in den Familienalltag hinein. Gespräche knüpfen an die direkte Lebenssituation an, Eltern können sich den Alltag mit dem Kind von der Seele reden, sich austauschen oder bloß beobachten, wie sich andere Kinder und andere Eltern verhalten. Auf diese Weise können sie auch ihre eigenen Erwartungen und Ideale immer wieder neu ausrichten und auf ein bewältigbares Maß herunter brechen. Sie erfahren, welche Vorträge oder Seminare in nächster Zeit in der Nähe stattfinden und hören, welche anderen Gruppen und Hilfseinrichtungen es in der Region gibt.

 

Da sich alle  in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, bezieht sich der Informationsaustausch überwiegend auf den Alltag mit einem Kleinkind. Auf besondere Erlebnisse, neue Entwicklungsschritte, Zweifel oder Ängste. Die Erzählungen der einen regen die anderen zum Nachdenken an und automatisch wird die Verbindung zu deren Lebenssituation hergestellt.

 

Es kann sein, dass Bedürfnisse von Eltern über das hinaus gehen, was die Gruppe zu leisten vermag, dann muss die Leitung dies besonders sensibel thematisieren und eine Verbindung zu regionalen Hilfsangeboten herstellen. So gesehen bewegt sich die Eltern-Kind-Gruppenarbeit auch auf einer Präventionsebne.

 

Zusammenfassend kann gesagt werden: Die Eltern-Kind Gruppe ist ein Ort für Stärkung der Eltern-Kind Beziehung, Informationsaustausch, Gemeinschaftserlebnisse, Elternbildung

und Entlastung im Familienalltag und gleichzeitig ein Ort, an dem Sprachförderung von Anfang gelebt wird.

 

Eine Gruppe in Ihrer Nähe finden Sie hier.

 

 

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