Montag 28. Mai 2018
biblio, Leporello Lescheschritte

Wie lernen Kinder sprechen und lesen?

 

Das Sprechen und Lesen im 1. Lebensjahr

 

Neugeborene lauschen fasziniert der Stimme von Mama und Papa. Sie unterscheiden zwischen Stimmen und Geräuschen und beginnen bald in Gesichtern „zu lesen.“ Sie haben von Geburt an alles mitbekommen um sprechen und lesen zu lernen.

Eltern spüren dies, freuen sich über jeden Entwicklungsschritt und passen intuitiv ihre Art zu reden, zu singen und zu spielen an das Kind an. Damit können sie den Sprach- und Leseerwerb individuell und optimal unterstützen.

 

Anfangs gurren Babies, dann plappern sie Silben und bilden Silbenketten. Ca. ab sieben Monaten entdecken sie, dass Laute und Wörter etwas bedeuten. Sie beginnen sich mitzuteilen. Z.B.: „mama“ für „Mama komm!“ oder Hände klatschen für „ich will bitte...“ Mit ca. einem Jahr sprechen sie die ersten Wörter. Babies verstehen wesentlich mehr Wörter als sie sprechen können.

 

Bilderbücher werden wie Gegenstände entdeckt, in den Mund gesteckt, geworfen, geschoben und geblättert. Ab 9 Monaten beginnen Babies gezielt Bilder anzuschauen, wobei sie noch nicht zwischen realem Gegenstand und Abbildung unterscheiden und z.B. am Bild der Katze kratzen um diese „herausnehmen“. Das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern gewinnt nun an Bedeutung.

 

 

Sprechen und Lesen im 2. und 3. Lebensjahr

 

Kinder entdecken, dass jedes Ding einen Namen und jedes Wort eine Bedeutung hat, und sie wollen diese kennen lernen. Sie zeigen mit Leidenschaft auf Gegenstände und fragen aktiv „was“ oder „is`das?“

 

Ebenso suchen sie im Alltag nach Struktur und Ordnung und bauen selbst mit Bausteinen, Bilderbüchern und Worten. Zuerst schaffen sie Zweiwortsätze, dann Dreiwortsätze und schließlich wird die erste „Zwei-Ereignis-Geschichte“ erzählt.

 

Ab ca. 18 Monaten können sie mit anderen Menschen mitfühlen und versuchen z.B. ein weinendes Kind zu trösten. Schließlich erkennen sie sich als eigenständige Personen, sprechen von sich mit dem eigenen Namen und benützen das ICH.

 

Bilder erkennen sie nun als Abbildung der Realität und sie interessieren sich vor allem für Geschichten aus ihrer Erlebniswelt.

 

Kinder entdecken nun die Bedeutung von Schriftzügen. Sie erkennen z.B. die Zeichen WC als Toilette oder Firmennamen und Logos. 

 

Für Kinder sind Mama und Papa die größten Vorbilder. Sie machen deren Umgang mit Büchern nach und spielen „als-ob-Vorlesen“.

 

 

Sprechen und Lesen im Kindergarten-  und Vorschulalter

 

Die Kinder erweitern ihren Wortschatz, entwickeln bis zu 15 Satzbaupläne und erkunden die Hintergründe von Dingen und Abläufen mit „Warumfragen".

Ärger und Enttäuschung werden zunehmend mit Worten ausgedrückt, z.B. mit Schimpfwörtern und nicht mehr nur mit Hilfe der Körpersprache.

 

Aus den Zwei-Ereignis-Geschichten werden die sogenannten "Froschsprung-Geschichten". Wie ein Frosch springt das Kind in der Erzählung von einem Ereignis zum nächsten, ohne auf einen Zusammenhang zu achten.

 

Im vierten Lebensjahr beginnen Kinder magisch zu denken. Sie „beleben“ Gegenstände und „erfinden“ Geschichten. Eine Begleiterscheinung dieser phantastischen Möglichkeit können Phantasieängste sein.

 

Mit dem zunehmenden Einfühlungsvermögen können Kinder Situationen und Gefühle anderer Menschen verstehen und nachempfinden. Auch in Bilder und Geschichten können sie sich nun direkt „hineinversetzten.“

 

Mit der Kritzelschrift beginnen Kinder selbst zu schreiben, sie „lesen“ z.B. Straßen- und Hinweisschilder sowie Baupläne von Spielzeug und erkennen schließlich die Buchstaben des eigenen Namens.

 

 

Ein kleiner Ausblick ins Schulalter

 

Mit zunehmender Fingergeschicklichkeit wollen Kinder nun Vorgezeichnetes und Vorgeschriebenes genau kopieren. Dies begünstigt das Schreibenlernen, führt jedoch auch manchmal zu Frustration, wenn etwas noch nicht so gut gelingt.

 

Zuerst bringen Kinder den Stift unter ihre Kontrolle. Bestimmten Zeichen (Buchstaben) werden Laute zugeordnet. Wenn sie über genügend Laut-Zeichen Zuordnungen verfügen, beginnen sie nach eigener Vorstellung zu schreiben. Zuerst schreiben sie Wörter so, wie sie diese hören und erst danach erwerben sie die Grundlagen der Rechtschreibung.

 

Die Fähigkeit, Buchstaben, Wörter und schließlich ganze Sätze zu lesen entfaltet sich in großen Schritten. Zeichen (Buchstaben) werden erkannt, mit ihren Lauten benannt und miteinander verbunden. Das erste Wort ist gelesen! Gleichzeitig entwickeln Kinder immer ausführlichere eigene Geschichten. Mit ca. 9 Jahren können sie Höhepunkt-Ende-Geschichten erzählen und das Schreiben von Aufsätzen kann beginnen.

(aus: "Leseschritte" - Autorin: Christine Kügerl)

 

Die Broschüre "Leseschritte" ist in Kooperation mit dem österreichischen Bibliothekswerk entstanden und kann hier als Leporello bestellt werden.

 

Die "Leseschritte" gibt es auch zum Anschauen: Hier lernen Sie Moritz auf seinem Weg in die Welt des Lesens kennen, begleitet wird er vom "Leseschritte" Leporello.

(ein Video des österreichischen Bibliothekswerkes)

 

 

 

 

 

zurück

 

Fördern Sie Ihr Kind
beim Sprechen und Lesen!

Wir bieten Ihnen Unterstützung bei der Förderung Ihrer Kinder beim Sprach- und Leseerwerb in allen Altersstufen.

Wählen Sie aus unserem Angebot »

Kinder.Mund
Erkenntnisse, Stilblüten und viel Wahrheit stecken in den Aussagen von Kindern. Wir laden Sie ein zuzuhören und zu teilen.
Moritz, 5
Mama: Ich komme heute später nach Hause, weil ich so viel erledigen muss. Moritz: Aber Mama, was musst Du denn töten? Mama: Nein, nicht töten, etwas erledigen heißt etwas fertig machen. Moritz: Aber Mama, fertig machen, heißt ja auch töten....
Emily-Sophie, 9
Wir sitzen beim Abendessen, Emily stützt ihren Kopf ab, gähnt oftmals und reibt sich die Augen.Sichtlich müde sagt sie mit träger Stimme: "Mama heute bin ich richtig BETTAKTIV!"
NAOMI, 4
Beim Spazierengehen Ende März: „Die kommen jetzt raus, die Sommersprossen. Und wenn Winter ist, dann kriegt er Wintersprosseln“.
http://sprache-hilft.at/